Andreas’ Nacht

Frei nach Hans Christian Andersens Hvad Fatter gjør, det er altid det Rigtige · 4 Minuten zu lesen

Was der Alte tut, ist immer richtig

Jetzt erzähle ich dir eine Geschichte, die ich selbst als Kind gehört habe, und sie ist seither nur besser geworden — denn so ist es mit Geschichten wie mit manchen Menschen: Sie werden mit den Jahren immer freundlicher. Draußen auf dem Land, in einem alten Haus mit Strohdach, wohnte ein altes Bauernpaar, und die beiden hatten nicht viel, aber sie hatten einander, und sie hatten ein Pferd. Und weil das Pferd mehr wert war, als es ihnen nützte, beschlossen sie, es auf dem Markt zu verkaufen oder gegen etwas Besseres zu tauschen. Mach es, wie du meinst, sagte die Frau, was der Alte tut, ist immer richtig. Und sie band ihm das Halstuch um und gab ihm einen Kuss mit auf den Weg.

Man muss die beiden Alten vor sich sehen, um die Geschichte richtig zu hören. Sie waren an die vierzig Jahre verheiratet, und in diesen Jahren hatte es magere Ernten gegeben und nasse Sommer, ein durchgebranntes Backhaus und manchen Kummer, von dem Fremde nichts wussten. Aber wer die beiden am Zaun stehen sah, wie sie einander etwas zeigten — einen Star im Kirschbaum, eine Wolkenbank überm Moor —, der sah zwei Leute, die einander immer noch am liebsten etwas zeigten. Das ist, unter uns, der ganze Trick ihrer Geschichte. Der Rest ist bloß Viehhandel.

Auf der Landstraße war Markttag-Gedränge, und der Alte kam ins Tauschen. Das Pferd tauschte er gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schaf, das Schaf gegen eine fette Gans, die Gans gegen ein Huhn. Und das Huhn zuletzt — gegen einen Sack voll verschrumpfter Äpfel.

So kam er mit dem Sack in ein Wirtshaus, und dort saßen zwei reiche Engländer, die hörten die Geschichte und lachten Tränen. Dafür bekommt Ihr daheim Schläge, sagten sie, oder mindestens eine Gardinenpredigt. Ich bekomme einen Kuss, sagte der Alte ruhig, denn meine Frau sagt: Was der Alte tut, ist immer richtig. Da hielten die beiden dagegen — ein ganzes Scheffelmaß Goldstücke, wenn er recht behalte.

Bei jedem Tausch auf dem Markt hatte der Alte übrigens seine guten Gründe gehabt, und er trug sie vor sich her wie saubere Ware. Die Kuh gab Milch für zwei, das Schaf fand an jedem Rain sein Futter und gab Wolle für die Winterstrümpfe, die Gans — nun, von einer Gans hatte die Alte geredet, seit er sie kannte, immer im Konjunktiv: Wenn wir einmal eine Gans hätten. Nun hätten sie eine gehabt. Und das Huhn: Ein Huhn ist das vernünftigste Tier der Welt, es legt sein Ei und hält den Hof sauber und verlangt nichts als ein bisschen Achtung. Nur bei den verschrumpelten Äpfeln, das gab der Alte später zu, sei ihm der Grund erst eingefallen, als er den Sack schon auf der Schulter hatte. Aber dann sei es der beste von allen gewesen: Sie waren ein Gruß. Von einem Markttag muss man seiner Frau etwas mitbringen, und wenn es Äpfel sind, die keiner mehr wollte.

Sie fuhren mit ihm zum Strohdachhaus. Guten Abend, Alte. Guten Abend, Alter. Ich habe getauscht. Und nun erzählte er, Stück um Stück, und die Frau schlug bei jedem Tausch die Hände zusammen — vor Freude. Eine Kuh! Dann haben wir Milch. Ein Schaf! Dann haben wir Wolle. Eine Gans! Dann kommt sie zu Martini auf den Tisch. Ein Huhn! Dann bekommen wir Eier. Und als der Sack mit den verschrumpften Äpfeln auf den Tisch kam, rief sie: Dann backe ich dir heute Abend Apfelmus — und die Nachbarin, die mir neulich nicht einmal eine Handvoll leihen wollte, kann nun sehen, dass wir Äpfel im Überfluss haben! Und sie gab dem Alten einen Kuss mitten auf den Mund.

Da zahlten die Engländer ihr Scheffelmaß Gold und zahlten es gern, denn so etwas hatten sie noch nicht gesehen: ein Haus, in dem der Tausch immer bergauf ging, weil die Liebe die Buchführung machte. Und das ist die ganze Geschichte. Es lohnt sich immer, sagt sie, dass die Frau einsieht und es auch ausspricht, dass der Alte das Rechte tut — und umgekehrt gilt es genauso, das sage ich noch dazu. Im Strohdachhaus roch es an jenem Abend nach Apfelmus, das Huhn war es zufrieden, das keins mehr werden musste, und die beiden Alten saßen am Herd und waren die reichsten Leute der Landstraße — schon vor dem Gold, wenn man es genau nimmt.

Eigene Fassung nach einer gemeinfreien Vorlage. Der Text ist meine Arbeit; die Vorlage ist frei.

Zurück zum Anfang

Lieber hören?

Diese Geschichte ist Kapitel in Andersen Märchen, Teil zwei · Die vergessenen 65 Geschichten. Der Sprung führt an genau die Stelle.

Noch etwas zu lesen