Nach den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht · 9 Minuten zu lesen
König Yunan und Doktor Duban
In den Zeiten der Kalifen, als die Sterne noch Namen trugen und jede Nacht ihre eigene Geschichte mit sich brachte, lebte in einem Land jenseits der großen Wüste ein König namens Yunan. Sein Palast erhob sich über einer Stadt, die wie ein Juwel in der Ebene lag, mit weißen Mauern, die im Mondlicht leuchteten, mit Gärten, in denen Jasmin und Orangenblüten dufteten, und mit Brunnen aus schwarzem Marmor, in denen sich der Himmel spiegelte.
Yunan war ein gerechter Herrscher, und sein Volk liebte ihn, doch der König trug ein Leid in sich, das ihn seit Jahren plagte: eine Krankheit, die keiner seiner Ärzte zu heilen vermocht hatte, die seinen Körper lähmte und seinen Schlaf raubte, so dass er manchen Morgen erwachte, als habe er gar nicht geruht. Es begab sich an einem jener stillen Abende, da die Öllampen im Thronsaal ihr warmes Licht über Seidenteppiche warfen und die Diener leise wie Schatten ihre Wege gingen, dass ein Fremder in die Stadt gelangte. Er hieß Duban, ein Arzt, der durch viele Länder gereist war, der die Weisheit der Griechen kannte und die Heilkunde der Perser, der die Sterne gelesen und die Pflanzen der Wüste studiert hatte.
Sein Wissen war wie ein tiefer Brunnen, aus dem man schöpfen konnte, ohne je den Grund zu erreichen. Als die Nachricht von diesem gelehrten Mann den König erreichte, befahl Yunan, ihn sogleich in den Palast zu bringen. Doktor Duban trat in den Thronsaal und verneigte sich tief. Er betrachtete den König mit ruhigen, dunklen Augen, sah die Blässe seines Gesichts, die Art, wie er sich auf die Armlehne stützte, das kaum merkliche Zittern in seinen Händen. O mein Herr, sprach Duban, ich habe von deinem Leiden gehört, und ich bin gekommen, um dir Heilung zu bringen, wenn Allah es will und wenn du mir vertraust.
Yunan betrachtete den Arzt lange, und etwas in der ruhigen Gewissheit dieses Mannes beruhigte ihn auf eine Weise, die er nicht ganz erklären konnte. Was Duban in den folgenden Tagen bereitete, war keine gewöhnliche Medizin. Er mischte Essenzen aus Pflanzen, die nur in fernen Tälern wuchsen, mit Pulvern aus Steinen, die das Mondlicht aufgesogen hatten, und sprach dabei leise Worte, die wie Musik klangen und doch mehr als Musik waren. Dann ließ er einen Holzschläger anfertigen, einen ganz besonderen, dessen Griff er mit seinen Essenzen behandelt hatte, und bat den König, damit das Spiel des Polo zu spielen, so wie er es früher gespielt hatte, in den Jahren seiner Gesundheit. Yunan betrachtete den Schläger zweifelnd, doch er tat, wie ihm geheißen.
Und während der König ritt und spielte, während der Schweiß auf seiner Stirn perlte und seine Hände den Schläger hielten, da begann das Heilmittel, das Duban in das Holz eingearbeitet hatte, durch die Wärme seiner Handflächen in seinen Körper zu dringen. Die Stunden vergingen wie ein ruhiger Traum. Und als der Abend kam und Yunan abstieg, da stand er aufrecht, aufrechter, als er seit Jahren gestanden hatte. Er atmete tief ein und fühlte, wie die Schwere, die so lange auf seinen Gliedern gelegen hatte, sich auflöste wie Nebel vor der Morgensonne. Am nächsten Morgen erwachte der König ohne Schmerz.
Er rief Duban zu sich, und seine Augen glänzten vor Staunen und Dankbarkeit. O weiser Arzt, sprach er, du hast getan, was keiner vor dir vermochte, du hast mir meine Gesundheit zurückgegeben, und damit das Leben selbst. Er beschenkte Duban mit Gewändern aus feiner Seide, mit Säcken voller Goldstücke, mit einem Haus in der besten Gasse der Stadt und einem Platz an seiner Seite beim täglichen Rat. Duban nahm all dies mit Bescheidenheit an und verneigte sich tief, denn er hatte nicht für Gold geheilt, sondern weil die Heilkunst sein Herzenswerk war. Doch in jedem Palast gibt es Schatten, wo Licht erstrahlt.
Der erste Wesir des Königs, ein alter Mann namens Kafur, dessen Gesicht so trocken und faltig war wie Pergament, das zu lange in der Sonne gelegen hatte, betrachtete Duban von Anfang an mit misstrauischen Augen. Vielleicht war es Eifersucht auf die neue Gunst des Arztes, vielleicht war es jene Angst, die manche Menschen vor allem empfinden, was sie nicht verstehen. Kafur flüsterte dem König ins Ohr: O mein Herr, sei wachsam. Dieser Fremde, der dich mit so ungewöhnlichen Mitteln geheilt hat, wer bürgt dafür, dass er nicht ebenso leicht Schaden anrichten kann, wie er Gutes getan hat? Ein Mann, der solches Wissen besitzt, kann gefährlich sein.
Yunan hörte diese Worte, und obwohl er Duban schätzte, begannen die Gedanken in seinem Kopf zu kreisen wie Falken über der Wüste. Er rief sich die Weisheit eines alten Gleichnisses in Erinnerung, die Geschichte von dem Fischer, der einen Dschinn aus dem Meer befreit hatte, der ihn töten wollte, und der den Dschinn durch List überwand, indem er seine Neugier nutzte.
Er dachte über Vertrauen nach und über Klugheit, über Dankbarkeit und über Vorsicht. Und doch: War Dubans Tat nicht eindeutig gut gewesen? Hatte er nicht geheilt, was kein anderer heilen konnte? Die Nächte, in denen Yunan mit sich rang, waren lang. Er lag auf seinem Lager aus weichen Kissen, das Mondlicht fiel durch die geschnitzten Gitter seines Fensters und warf zarte Muster auf den Boden, und er dachte nach.
Kafur kam jeden Tag mit neuen Zweifeln, streute sie wie Sand in eine Wunde, bis Yunan begann, das Gute zu vergessen und nur noch das Mögliche zu fürchten. Dies ist die alte, traurige Schwäche der Könige: dass sie allzu leicht den Worten derer glauben, die ihnen täglich im Ohr liegen, und allzu schnell vergessen, was gute Taten für sich selbst sprechen. Es kam der Tag, da Yunan einen Entschluss fasste, der sein Herz beschwerte, auch wenn er ihn aussprach.
Er ließ Duban rufen. Der Arzt trat ein, heiter wie immer, das Gesicht offen und ruhig, ohne Ahnung von dem, was ihn erwartete. Als Yunan ihm eröffnete, was er beschlossen hatte, da schwieg Duban zunächst lange. O mein Herr, sprach er dann leise, ich habe dir nichts getan als Gutes. Ich habe dich geheilt. Ich habe dein Vertrauen nicht gebrochen. Denk nach, bevor du handelst, denn wer einen treuen Diener verliert aus Furcht vor Schatten, der verliert mehr, als er gewinnt.
Doch Duban, der so viel Weisheit in sich trug, wusste auch, dass manche Entscheidungen nicht mehr aufzuhalten sind, wenn einmal das Misstrauen in ein Herz eingezogen ist. Er bat um eines: dass man ihm erlaube, sein letztes großes Buch zu überreichen, ein altes, schweres Werk voller Wissen, das er dem König zum Abschied schenken wollte. Yunan, in dem noch immer ein Rest Dankbarkeit lebte, gewährte es. Duban brachte das Buch herbei, in Leder gebunden, mit Goldverzierungen, so alt, dass seine Seiten wie dünnes Herbstlaub raschelten. O weiser König, sprach Duban, in diesem Buch ist Wissen verborgen, das nur dem zugänglich ist, der es richtig öffnet.
Blättere zu der Seite, die ich dir bezeichne, und lies, und während du liest, wird sich eine Wahrheit enthüllen, die größer ist als alles, was Kafur dir je gesagt hat. Yunan, neugierig trotz allem, öffnete das Buch und begann zu blättern. Doch die Seiten klebten leicht zusammen, und um sie zu wenden, fuhr er mit dem Finger an die Lippen, wie man es tut, wenn man alte Seiten aufschlägt, die die Zeit zusammengeklebt hat.
Was auf jenen Seiten stand, war in einer Schrift verfasst, die Yunan nicht lesen konnte, und langsam, während er blätterte und die Finger wieder und wieder an die Lippen führte, bemerkte er ein Kribbeln. Dann eine Schwere. Dann Stille. Das Buch, das Duban so kunstvoll präpariert hatte, enthielt zwischen seinen Seiten ein Pulver, eines jener geheimnisvollen Mittel, die der Arzt kannte wie kein anderer, das durch Berührung wirkt und das schlafähnlich trägt, wer es unwissend aufnimmt. Der König sank in seinem Thronsessel zurück.
Es war kein böser, kein harter Schlaf — es war ein tiefer, stiller Frieden, wie man ihn findet, wenn man nach langem Suchen endlich zur Ruhe kommt. Und in diesem Schlaf träumte Yunan von den Tagen seiner Gesundheit, von den Ritten über die Felder, von Dubans ruhigem Gesicht, von dem Licht der Öllampen und dem Duft des Jasmins aus dem Garten. Manchmal ist Schlaf die sanfteste Antwort, die das Leben auf eine falsche Frage geben kann.
Kafur, der Wesir, stand dabei und sah, was geschehen war, und in seinem Gesicht war kein Triumph, nur die langsame Erkenntnis, dass er selbst der Urheber all dieses Unglücks gewesen war, dass seine Worte das Misstrauen gesät hatten, das nun eine Blüte getragen hatte, die bitter war. Die anderen Ratgeber des Königs wandten sich von ihm ab, einer nach dem anderen, und Kafur stand allein in dem großen, stillen Saal.
In der Stadt aber sprach man noch lange von Doktor Duban, von seiner Heilkunst und seiner Weisheit, von seiner Würde und der Art, wie er sich verhalten hatte bis zum Ende. Die Händler auf dem Basar erzählten die Geschichte seinen Kindern und Enkeln, und manche sagten, dass an den Abenden, wenn der Wind warm aus der Wüste kam und die Öllampen flackerten, man zwischen den Gassen das leise Rascheln von Buchseiten hören konnte, als blättere ein unsichtbarer Leser in einem alten Buch voller Wissen.
Und wer in jenen Nächten am Fenster saß und dem Wind lauschte, der verstand vielleicht, ganz leise, ganz tief in sich, dass Vertrauen das Kostbarste ist, was ein Mensch einem anderen schenken kann, und dass Misstrauen, einmal gesät, eine Ernte trägt, die niemanden sättigt. Die Nacht legte sich über den Palast, und die Sterne zogen ihre stillen Bahnen über den Minaretten der Stadt. Der Jasmin duftete, die Brunnen plätscherten leise, und die Welt war ruhig und geborgen, wie sie es immer ist in den Stunden, da die Geschichten enden und der Schlaf beginnt.
Eigene Fassung nach einer gemeinfreien Vorlage. Der Text ist meine Arbeit; die Vorlage ist frei.