Nach den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht · 7 Minuten zu lesen
Der bucklige Kaufmann
In den Zeiten des Kalifen Harun ar-Raschid, als die Stadt Bagdad sich wie ein Traum aus Stein und Licht über beide Ufer des Tigris erstreckte und die Minarette im Mondschein wie Silbernadeln in den Himmel stachen, begab es sich, dass ein Schneider und seine Frau spät in der Nacht noch beisammensaßen. Die Öllampe zwischen ihnen warf ein warmes, bernsteinfarbenes Licht auf ihre Hände, auf die Stoffe und Fäden, die rings um sie lagen, und durch das offene Fenster zog der Duft von Jasmin und feuchter Erde herein. Der Schneider war ein fröhlicher Mann von mittlerem Alter, der das Leben liebte wie ein Gärtner seine Rosen, mit Geduld, mit Zuneigung, mit der Bereitschaft, auch die Dornen in Kauf zu nehmen.
An diesem Abend hatte seine Frau einen Gast eingeladen: einen buckeligen Kaufmann, bekannt im ganzen Viertel für seine Witze und seine laute Freude am Essen. Der bucklige Kaufmann war in der Tat eine bemerkenswerte Erscheinung, klein von Wuchs, mit einem Rücken, der sich wie eine sanfte Hügelkuppe wölbte, und Augen, die stets blitzten, als wäre er im Begriff, eine besonders gute Geschichte zu erzählen.
Er aß mit Hingabe, lachte zwischen den Bissen, und der Schneider und seine Frau lachten mit ihm, denn seine Fröhlichkeit war von jener ansteckenden Art, die einen Raum füllt wie Musik. Sie reichten ihm Fladenbrot und gebratenen Fisch, getrocknete Feigen und Honig, und der Kaufmann griff zu mit beiden Händen, als hätte er seit Tagen nichts gegessen. Doch dann, mitten in einem besonders herzhaften Bissen, geschah etwas Unerwartetes.
Der Kaufmann hielt inne, seine Augen wurden groß, er griff sich an die Kehle, und ehe der Schneider oder seine Frau begreifen konnten, was geschah, war der Kaufmann reglos und still. Sie riefen seinen Namen, schüttelten ihn sanft, hielten die Lampe nah an sein Gesicht, doch der bucklige Kaufmann antwortete nicht mehr. Eine Fischgräte, so schien es, hatte sich in seiner Kehle festgesetzt, und sein Körper hatte nachgegeben, leise und schnell wie ein Licht, das erlischt. Die Frau des Schneiders war die Erste, die wieder sprechen konnte, und ihre Stimme war kaum lauter als ein Flüstern.
Was tun wir nun? fragte sie, und in ihrer Frage lag weniger Schrecken als jene stille Ratlosigkeit, die Menschen befällt, wenn das Leben plötzlich eine Biegung nimmt, die auf keiner Karte eingezeichnet ist. Der Schneider dachte nach — er war ein praktischer Mann, ein Mann, der gewohnt war, mit den Händen Lösungen zu schaffen, und nach einer Weile sprach er: Wir tragen ihn fort, sanft und in Würde, und legen ihn vor das Haus des Arztes. Mehr können wir nicht tun.
So trugen sie den Kaufmann in die nächtliche Gasse, die Schritte leise auf dem Kopfsteinpflaster, die Lampen der Stadt wie ferne Sterne über ihnen. Vor dem Haus des Arztes legten sie ihn nieder, klopften an die Tür und verschwanden schnell in der Dunkelheit, das Herz schwer, aber die Absicht rein. Der Arzt, ein junger Mann, noch verschlafen, die Kerze in der Hand, öffnete die Tür, sah die Gestalt auf seinen Stufen, stolperte im Dunkel, und in einem unglücklichen Augenblick stieß sein Fuß gegen den Kaufmann, der die Treppe hinabrollte und am Fuß der Stufen zur Ruhe kam.
Der Arzt stand oben und starrte hinunter, die Kerze zitternd in seiner Hand. Er hatte geglaubt, den Mann aus Versehen gestoßen zu haben, und nun stand er da, von Reue und Schrecken gleichermaßen erfüllt, und wusste nicht, was er tun sollte. Nach langem Zögern entschied er sich, den Kaufmann unauffällig in eine andere Gasse zu tragen, fort von seinem Haus, fort von seinem Namen. Er legte ihn behutsam an die Wand eines Hauses, in einer ruhigen Seitenstraße nahe dem Basar, und eilte dann zurück in die Nacht. Doch das Schicksal ist ein Weber, der seine Fäden mit großer Geduld schlingt.
Noch in derselben Nacht kam ein Aufseher des Sultans durch jene Gasse, ein kräftiger Mann mit breiten Schultern, bekannt für seine Redlichkeit, aber auch für seine Ungeduld. Er sah den Kaufmann an der Wand lehnen, glaubte ihn für einen Dieb, der auf Beute lauerte, und versetzte ihm einen Stoß, und als der Kaufmann schwieg und nicht aufstand, rief er die Wache. So wurde der Aufseher selbst verhaftet, als vermeintlicher Übeltäter, und am nächsten Morgen vor den Sultan geführt.
Der Sultan saß auf seinem Thron, umgeben von Mosaikwänden, die das Morgenlicht in tausend Farben zerstreuten, und hörte die Geschichte des Aufsehers mit ernstem Gesicht. Dann ließ er auch den Arzt vorführen, und den Schneider und seine Frau, denn die Geschichte hatte sich in der Nacht wie Wasser durch Sand verbreitet und jeden erreicht, der mit dem buckeligen Kaufmann zu tun gehabt hatte. Vier Menschen standen nun vor dem Sultan, jeder mit seiner eigenen Geschichte, jeder mit seiner eigenen Schuld und seiner eigenen Unschuld, und der Sultan, ein weiser Mann, merkte bald, dass keiner von ihnen bösen Herzens gehandelt hatte.
Da trat ein alter Barbier vor, ein kleiner, würdiger Mann mit weißem Bart und klugen Augen, der behauptete, die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt zu haben. Er kniete nieder und sprach: O mein Herr, erlaube mir, dir etwas zu zeigen. Und er beugte sich über den buckeligen Kaufmann, öffnete behutsam seinen Mund, und mit einer geschickten Bewegung löste er die Gräte, die tief in der Kehle gesessen hatte. Einen Atemzug lang war alles still. Dann regte sich der Kaufmann, sein Brustkorb hob sich, seine Augen öffneten sich langsam, und er blickte in die Runde wie ein Mann, der aus einem besonders tiefen Schlaf erwacht.
Ein Raunen ging durch den Saal, durch die Würdenträger und die Wachen, durch den Arzt und den Schneider und seine Frau, durch den Aufseher, der noch immer nicht ganz glauben konnte, was er sah. Der Kaufmann setzte sich auf, betrachtete seine Hände, dann die Gesichter um ihn herum, dann den hohen Thron des Sultans, und langsam, wie die Sonne hinter den Kuppeln aufgeht, breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Der Sultan lehnte sich zurück, und in seinen Augen stand etwas, das die Weisen unter seinen Ratgebern als das Zeichen echter Freude kannten: ein Glanz, der nicht von Gold kam, sondern von innen.
Der Sultan ließ für alle einen Festtrunk bringen, Rosenwasser und Granatapfelsaft, kühl und süß in schmalen Glaskaraffen, und er befahl, dass der alte Barbier, der die Geschichte beendet hatte, für drei Tage sein Ehrengast sei. Der Schneider und seine Frau wurden entlassen mit einem Beutel voller Münzen und dem Segen des Herrschers; der Arzt kehrte in seine Kammer zurück, wacher und nachdenklicher als er sie verlassen hatte; und der Aufseher stand auf dem Platz vor dem Palast und blickte in den Morgen wie ein Mann, der das Licht zum ersten Mal sieht.
Und der bucklige Kaufmann? Er saß noch lange im Palast, trank seinen Granatapfelsaft in kleinen, bedächtigen Schlucken und erzählte dem Sultan drei seiner besten Witze, jeder besser als der vorige, jeder lauter bejubelt als der letzte. Denn wer dem Tod so nahe gewesen ist und das Leben wiedergefunden hat, dem schmeckt jeder Bissen süßer, jeder Witz klingt lustiger, und jede Nacht ist ein Geschenk, das man mit vollen Händen empfangen sollte. Die Stadt Bagdad schlief und erwachte, erwachte und schlief, und der Tigris floss ruhig zwischen seinen Ufern, gleichgültig und beständig wie die Zeit selbst. Irgendwo in einer Gasse des Basars saß ein Schneider bei seiner Lampe, und das Licht, das durch sein Fenster fiel, war warm und golden und still.
Eigene Fassung nach einer gemeinfreien Vorlage. Der Text ist meine Arbeit; die Vorlage ist frei.